Sie fragen sich, wie aus loser Wolle ein fertiger Wollteppich wird? Wir von der Simssee Handweberei in Stephanskirchen zeigen Ihnen in diesem Leitfaden genau das – und zwar Schritt für Schritt, so wie es bei uns tatsächlich jeden Tag abläuft. Vom Eingang Ihrer Bestellung über das Einrichten des Webstuhls bis zur fertigen Einfassung erklären wir Ihnen die einzelnen Arbeitsschritte, die nötigen Werkzeuge und einige Kniffe, die ein handgewebter Teppich aus echter Handarbeit mitbringt. So bekommen Sie ein gutes Gefühl dafür, was hinter einem handgeknüpften Unikat aus unserer Teppichwerkstatt steckt.

Ein Handwerk mit bayerischer Tradition

Unser Weberhandwerk hat in Bayern eine lange Geschichte. Ganz in dieser Tradition steht auch unsere Weberei am Simssee bei Rosenheim. Bei uns wird nichts maschinell in Massen produziert – jeder Wollteppich wird einzeln von Hand gefertigt, mit demselben Gespür für Material und Verarbeitung, das schon frühere Generationen unserer Familie ausgezeichnet hat. Dieses Wissen geben wir bis heute weiter und legen Wert darauf, dass es in jedem fertigen Stück erkennbar bleibt.

Auch an unseren Maschinen zeigt sich, dass wir mit Bedacht arbeiten. Einer unserer Webstühle trägt noch das Typenschild einer alten sächsischen Textilmaschinenfabrik aus Großenhain und ist damit ein echtes Stück Industriegeschichte, das bei uns nach wie vor zuverlässig im Einsatz ist. Solche Geräte über Jahrzehnte zu pflegen und sicher zu bedienen, gehört für uns ganz selbstverständlich zum Handwerk – und trägt mit dazu bei, dass unsere Teppiche ihre Qualität erhalten.

Der erste Schritt: vom Auftrag zur passenden Wolle

Jeder Teppich beginnt mit Ihrer Bestellung, aus der wir zunächst einen Auftrags- beziehungsweise Webzettel ausdrucken. Darauf halten wir die genauen Maße des gewünschten Teppichs fest und berechnen, wie viel Wolle wir dafür benötigen. Als grober Richtwert dienen uns dabei etwa 1,8 bis 2,6 Kilogramm Wolle pro Quadratmeter, bei besonders dicken Qualitäten können es auch bis zu drei Kilogramm sein. So lässt sich der Materialbedarf von Beginn an verlässlich kalkulieren.

Anders als manch andere Weberei spinnen wir unsere Wolle nicht selbst, sondern konzentrieren uns ganz bewusst auf das, was wir am besten beherrschen – die eigentliche Webarbeit. Das Garn beziehen wir daher fertig gesponnen von einer lokalen Spinnerei, mit der uns eine verlässliche Zusammenarbeit verbindet, und bestellen meist in größeren Partien, damit wir stets einen Vorrat im Haus haben. Sobald die Wolle eintrifft, ordnen wir den ausgedruckten Materialschein dem passenden Webzettel zu, und die Arbeit am Webstuhl kann beginnen.

Die wichtigsten Werkzeuge und ihre Aufgaben

Eine Handweberei besteht aus deutlich mehr als nur einem einzelnen Webstuhl, und erst das Zusammenspiel der einzelnen Bauteile macht die Arbeit möglich. Bei uns stehen fünf Webstühle mit unterschiedlichen Breitenspektren bereit – vom schmalen Läufer ab 20 bis 30 Zentimetern bis hin zu großzügigen Teppichen von zwei bis drei Metern Breite. Je nach Auslastung und gewünschter Breite ordnen wir jedem Teppich den passenden Webstuhl zu. Damit Sie nachvollziehen können, welches Werkzeug bei uns welche Aufgabe übernimmt, stellen wir Ihnen die zentralen Bestandteile mit ihrer jeweiligen Funktion vor:

  • Die Kette (Kettfäden): Sie bildet das längs gespannte Grundgerüst des Teppichs. Über sie legen wir die Breite fest, indem wir Fäden hinzunehmen oder weglassen.
  • Die Spulenwand: An ihr hängen unzählige Garnspulen. Von dort laufen die Fäden oben an der Decke entlang und dann senkrecht in den Webstuhl hinunter, um die Kette zu versorgen.
  • Die Bremswalze: Früher diente hier ein traditioneller Kettbaum, heute eine mit Schleifpapier überzogene Walze. Sie bremst die einlaufenden Kettfäden und hält sie gleichmäßig unter Spannung.
  • Das Schiffchen: In ihm sitzt die kleine Wollspule. Es trägt den Schussfaden bei jedem Durchgang von links nach rechts durch das geöffnete Webfach.
  • Die Schäfte und Litzen: Die Litzen sind kleine Drahtösen, durch die die Kettfäden verlaufen. Über die Schäfte heben und senken sie diese Fäden und öffnen so das Fach für den nächsten Schuss.
  • Die Lade: Dieser bewegliche Rahmen mit dem kammartigen Webblatt schlägt jeden einzelnen Schussfaden fest an das bestehende Gewebe und sorgt damit für die dichte Struktur.
  • Der Warenbaum: Auf diese Walze wickeln wir den fertig gewebten Teppich nach und nach auf, sodass sich theoretisch endlos weiterarbeiten lässt.

Diese Bauteile greifen bei jedem einzelnen Schuss präzise ineinander und bilden zusammen das Herzstück unserer Weberei. Wer uns bei der Arbeit zusieht, erkennt rasch, dass jeder Handgriff sitzen muss und nichts dem Zufall überlassen bleibt. Genau dieses eingespielte Zusammenwirken von Hand und Maschine macht einen handgewebten Teppich am Ende so wertvoll.

So richten wir den Webstuhl für jeden Teppich ein

Bevor der erste Schussfaden fällt, stellen wir den Webstuhl exakt auf den jeweiligen Teppich ein. Da wir grundsätzlich in die Länge weben, wird die spätere Breite des Teppichs über die Kette am Webstuhl festgelegt. Je nachdem, wie breit das Stück werden soll, nehmen wir dafür Kettfäden hinzu oder lassen welche weg – ein erster, entscheidender Arbeitsschritt, der die Geometrie des Teppichs bestimmt.

Im Anschluss bringen wir die Wolle in das richtige Format für das Schiffchen. Dazu spulen wir das Material an der Spulmaschine von der großen auf eine kleine Spule um, die anschließend in das Schiffchen eingesetzt wird. Erst wenn die Kette passend eingerichtet und das Schiffchen bestückt ist, beginnen wir mit dem eigentlichen Webvorgang. Diese Vorbereitung wirkt unscheinbar, entscheidet aber maßgeblich über die spätere Qualität.

Tipp: Die Breite eines Handwebteppichs wird über die Kette bestimmt – die Länge ist dagegen nahezu frei wählbar.

Schuss für Schuss: der eigentliche Webvorgang

Sobald alles vorbereitet ist, beginnt der gleichmäßige Ablauf, der einen handgewebten Teppich Bahn für Bahn wachsen lässt. Dabei wechseln sich Bewegung und Kraft beständig ab: Das Schiffchen läuft durch das Fach, die Lade schlägt fest, die Kettfäden tauschen ihre Position – und das viele hundert, oft tausende Male, bis der Teppich seine endgültige Länge erreicht. Wer am Webstuhl arbeitet, läuft mit jeder Bahn von links nach rechts mit und behält gleichzeitig die seitliche Kante im Blick. Damit Sie sich diesen Ablauf gut vorstellen können, beschreiben wir jeden einzelnen Durchgang im Detail:

  • Fach öffnen: Über die Schäfte und Litzen wird ein Teil der Kettfäden angehoben und der andere abgesenkt. So öffnet sich das Webfach – der Zwischenraum, durch den der Schussfaden laufen kann.
  • Schuss einbringen: Das Schiffchen mit der kleinen Wollspule schießt von links nach rechts durch dieses Fach und legt den Schussfaden dabei quer über die gesamte Breite ein.
  • Festschlagen: Nun kommt die Lade zum Einsatz. Der große, kammartige Rahmen drückt den frisch eingebrachten Schussfaden fest an das bereits gewebte Stück, sodass eine dichte, gleichmäßige Fläche entsteht.
  • Fach wechseln: Danach tauschen die Kettfäden über die Schäfte ihre Position – die zuvor oben liegenden Fäden wandern nach unten und umgekehrt. Auf diese Weise verankern wir den eingelegten Schuss fest im Gewebe.
  • Wiederholen: Mit dem neu geöffneten Fach folgt der nächste Schuss, und der Vorgang beginnt von vorn. Bahn reiht sich an Bahn, bis nach und nach die typisch griffige Struktur unserer Teppiche entsteht.

Diesen Ablauf wiederholen wir unzählige Male, und zwischendurch geht es immer wieder zur Spulmaschine, um Nachschub vom großen auf das kleine Format umzuspulen. Weil wir bewusst Schuss für Schuss arbeiten, bilden sich dabei auch die charakteristischen „Knubbel", die einem handgeknüpften Teppich seine unverwechselbare Haptik verleihen. Hierdurch kommt perfekt zum Ausdruck, dass Handarbeit bei uns kein bloßes Versprechen ist, sondern in jedem Detail unserer Teppiche steckt.

Die Webkante als sichtbares Qualitätsmerkmal

Ein Detail, das einen handgewebten Wollteppich von industrieller Massenware abhebt, ist die Webkante an den Längsseiten. In der industriellen Fertigung bleibt der Randbereich häufig nur ein Abfallprodukt, das später abgeschnitten und entsorgt wird. Bei uns gehört diese Kante dagegen sichtbar zum fertigen Teppich – und genau deshalb muss sie besonders sorgfältig gearbeitet sein.

Aus diesem Grund behalten wir bei jeder einzelnen Bahn die Seite im Auge und achten darauf, dass die Webkante sauber und gleichmäßig verläuft. Dieser zusätzliche Aufwand kostet Zeit, zahlt sich aber in einem rundum stimmigen Erscheinungsbild aus. Wer einen unserer Teppiche in den Händen hält, erkennt an der gepflegten Kante sofort die echte Handarbeit dahinter.

Vom Warenbaum zum fertigen Teppich

Während wir weben, wickeln wir das fertige Gewebe nach und nach auf den sogenannten Warenbaum auf, sodass sich theoretisch endlos weiterarbeiten lässt. In der Praxis heißt das: An den zuletzt gewebten Teppich setzen wir einfach den nächsten an und trennen die beiden erst später mit der Schere voneinander. Aus dem Webstuhl nehmen können wir den fertigen Teppich, sobald vom neuen bereits etwa 1,10 bis 1,30 Meter gewebt sind.

Damit ist ein Teppich allerdings noch nicht vollendet, denn an seinem Anfang und Ende sitzt der sogenannte Saum. Diesen weben wir mit einem dünneren, gleichfarbigen Wollgarn, schlagen ihn später an der Nähmaschine zweimal um und vernähen ihn doppelt, sodass eine stabile Abschlusskante entsteht. Sowohl das Weben als auch das Einfassen und Saumnähen erledigen wir vollständig im eigenen Haus, bevor jeder Teppich eine abschließende Endkontrolle durchläuft und erst danach freigegeben wird.

Tipp: Achten Sie bei einem Handwebteppich auf Saum und Webkante – sie verraten viel über die handwerkliche Sorgfalt der Webarbeiten.

Warum wir rund 10 Prozent mehr weben

Ein besonders interessantes Detail betrifft die Maßgenauigkeit, denn wir weben einen Teppich nicht einfach auf sein bestelltes Endmaß. Tatsächlich fertigen wir ihn rund zehn Prozent länger als gewünscht: Soll ein Teppich am Ende drei Meter messen, entsteht er auf dem Webstuhl mit etwa 3,30 Metern Länge. Das klingt zunächst widersprüchlich, hat aber einen handfesten physikalischen Grund.

Während des Webens liegen die Kettfäden unter konstanter Spannung und ziehen das Gewebe in die Länge. Nehmen wir den fertigen Teppich aus dem Webstuhl, lässt diese Spannung nach, und das Material zieht sich auf das bestellte Maß zusammen. Dank unserer Erfahrung wissen wir genau, wie stark ein bestimmter Teppich dabei „eingeht" – und sorgen so dafür, dass die bestellten Maße am Ende stimmen und Sie ein passgenaues Unikat erhalten.

Der gesamte Weg auf einen Blick

Wie Sie sehen, durchläuft jeder handgewebte oder handgeknüpfte Teppich bei uns eine ganze Reihe sorgfältig aufeinander abgestimmter Arbeitsschritte. Vom ersten Auftragszettel bis zur Freigabe an Sie bleibt dabei alles in einer Hand: Jedes einzelne Stück wird vollständig in unserem eigenen Haus gefertigt. Damit Sie den Ablauf noch einmal kompakt nachvollziehen können, fassen wir die wichtigsten Stationen abschließend zusammen. So wird auf einen Blick deutlich, wie viel Handarbeit in einem einzigen Teppich steckt:

  • Auftrag & Materialbedarf: Aus Ihrer Bestellung entstehen Webzettel und Wollmenge – rund 1,8 bis 2,6 kg pro Quadratmeter.
  • Wolle beschaffen: Das fertig gesponnene Garn beziehen wir von einer lokalen Spinnerei und ordnen es dem Auftrag zu.
  • Webstuhl wählen & Kette einstellen: Passend zur Breite richten wir einen unserer fünf Webstühle ein und bestücken die Kette.
  • Umspulen & Schiffchen bestücken: Die Wolle spulen wir auf kleine Spulen um und setzen sie in das Schiffchen ein.
  • Weben Schuss für Schuss: Schiffchen durchschießen, Lade festschlagen, Fach wechseln – Bahn für Bahn.
  • Webkante pflegen: Bei jeder Bahn bleibt die sichtbare Seitenkante sauber und gleichmäßig.
  • Aufwickeln & Längenzugabe: Das Gewebe läuft auf den Warenbaum, gewebt wird rund 10 % länger als das Endmaß.
  • Teppich heraustrennen: Sobald der nächste Teppich begonnen ist, trennen wir das fertige Stück ab.
  • Saum & Einfassung: Wir nähen den Saum und fassen Webkanten sowie Abschluss stabil ein.
  • Endkontrolle & Freigabe: Nach gründlicher Prüfung geben wir den Teppich für Sie frei.

Entdecken Sie handgewebte Teppiche direkt aus Bayern!

Hinter einem handgewebten oder handgeknüpften Teppich steckt also ein vielschichtiger Weg – von der berechneten Wollmenge über das Einrichten der Kette und den Webvorgang bis hin zu Saum, Webkante und Endkontrolle. Jeden einzelnen Schritt erledigen wir von Hand auf teils historischen Webstühlen, und genau das macht jedes Stück zu einem langlebigen Unikat statt zu anonymer Massenware. Die Simssee Handweberei steht für dieses Handwerk: ein eingespielter Familienbetrieb in Stephanskirchen am Simssee bei Rosenheim, in dem Teppiche Schuss für Schuss in traditioneller bayerischer Handarbeit entstehen. Wer einen solchen Teppich unter den Füßen hat, spürt den Unterschied zwischen echter Handarbeit und Fließbandware – nicht vom Fließband, sondern vom Herzen.

Häufige Fragen

Das hängt vor allem von Größe, Breite und Dichte des Teppichs ab. Da wir grundsätzlich in die Länge weben und jeden Schuss einzeln einbringen, wächst ein Teppich Bahn für Bahn – ein größeres oder besonders dichtes Stück benötigt entsprechend mehr Zeit. Hinzu kommen das Einrichten der Kette, das Umspulen der Wolle sowie das abschließende Saumnähen und die Endkontrolle. Gerne nennen wir Ihnen für Ihren Wunschteppich einen konkreten Zeitrahmen.

Als grober Richtwert rechnen wir mit etwa 1,8 bis 2,6 Kilogramm Wolle pro Quadratmeter. Bei besonders dicken Qualitäten können es auch bis zu drei Kilogramm pro Quadratmeter sein. Den genauen Bedarf ermitteln wir vorab anhand der bestellten Maße, sodass wir die passende Menge bei unserer lokalen Spinnerei beziehen können.

Während des Webens liegen die Kettfäden unter konstanter Spannung und ziehen das Gewebe in die Länge. Sobald wir den fertigen Teppich aus dem Webstuhl nehmen, lässt diese Spannung nach und das Material zieht sich zusammen. Deshalb weben wir rund zehn Prozent länger als gewünscht – ein drei Meter langer Teppich entsteht also mit etwa 3,30 Metern. So stimmt das Endmaß am Ende genau.

Die Länge ist bei uns nahezu frei wählbar, da wir in die Länge weben. Die Breite richtet sich nach dem jeweiligen Webstuhl – wir verfügen über fünf Stühle mit unterschiedlichen Breitenspektren, vom schmalen Läufer ab 20 bis 30 Zentimetern bis hin zu Teppichen von zwei bis drei Metern Breite. Für Ihren Wunschteppich wählen wir den passenden Webstuhl aus.

Die Webkante ist der saubere seitliche Abschluss an den Längsseiten des Teppichs. In der industriellen Fertigung ist der Randbereich oft nur ein Abfallprodukt, das später abgeschnitten wird. Bei uns bleibt diese Kante sichtbar und gehört fest zum fertigen Teppich. Deshalb achten wir bei jeder einzelnen Bahn darauf, dass sie gleichmäßig verläuft – ein klares Zeichen echter Handarbeit.

Nein, das Spinnen übernehmen wir bewusst nicht selbst, sondern konzentrieren uns ganz auf die eigentliche Webarbeit. Das fertig gesponnene Garn beziehen wir von einer lokalen Spinnerei, mit der uns eine verlässliche Zusammenarbeit verbindet. Anschließend findet bei uns im Haus alles weitere statt: das Einrichten des Webstuhls, das Weben, das Einfassen sowie die abschließende Endkontrolle.